Karriere im Kommunikationsmanagement

Mit der Generation Y tritt aktuell eine Generation mit neuen und hohen Ansprüchen wie eine ausgeglichene Work-Life-Balance oder dem Wunsch nach Selbstverwirklichung in die Arbeitswelt ein. Dies betrifft – ebenso wie alle anderen Arbeitsbereiche – auch das Kommunikationsmanagement. Die Studie von Ulrike Röttger und Janne Stahl der Universität Münster untersuchte, welche Berufserwartungen die Masterstudierenden aus PR-/Kommunikationsmanagement-Studiengängen haben. Die Ergebnisse zeigen auf, wie sich Unternehmen aufstellen können, um für die Young Professionals im Bereich des Kommunikationsmanagements attraktiv zu sein.

Zentrale Erkenntnisse

    • In den Ansprüchen und Erwartungen der Kommunikationsmanagement-Studierenden spiegeln sich die Werte der vielbeschriebenen Generation Y wieder: Auf eine Work-Life-Balance wird ebenso stark geachtet wie auf Karrieremöglichkeiten.
    • Im Bereich Kommunikationsmanagement sind die Mitarbeiter- und die Markenkommunikation für den PR-Nachwuchs am interessantesten.
    • Die PR-Abteilung sollte – nach Meinung der Absolventen – eine hohe Akzeptanz im Unternehmen genießen und das Unternehmen großen Wert auf Fairness und Kollegialität legen.
    • Eigenständiges Arbeiten ist für die Berufsanfänger das wichtigste Merkmal der ersten Arbeitsstelle nach dem Studium. Nach einigen Jahren Berufstätigkeit ist eine unbefristete Stelle das entscheidendste Kriterium der Befragten.

    Erwartungen an Arbeitsfelder, Kommunikationsabteilung & Unternehmen

    Favorisierte Arbeitsfelder

    • 90% der Absolventen würden gern im PR-Bereich eines Unternehmens arbeiten.
    • Die Bereiche Mitarbeiter- und Markenkommunikation sind am beliebtesten. Media Relations, Online-Kommunikation und Events landen im Mittelfeld. Am wenigsten gefragt ist Sponsoring.
    • 85% sehen sich zukünftig als „Generalistische Spezialisten“, d.h. spezialisiert auf ein bestimmtes Gebiet, aber im Bedarfsfall auch in anderen Bereichen einsetzbar.

     

    Erwartungen an die Kommunikationsabteilung

    • Die PR-Abteilung sollte eine hohe Akzeptanz im Unternehmen besitzen.
    • Der Vorgesetzte sollte gut erreichbar sein.
    • Die integrierte Kommunikation sollte einen hohen Stellenwert genießen.
    • Weniger wichtig: Die Internationalität und Größe der PR-Abteilung.

     

    Erwartungen an das Unternehmen

    • Angenehme Arbeitsatmosphäre (Fairness, Kollegialität, offenes Klima und Anerkennung durch die Kollegen)
    • Guter Ruf des Arbeitgebers
    • Das Wertesystem entspricht den eigenen Überzeugungen.
    • Frauen legen sehr viel mehr Wert auf eine gute Arbeitsatmosphäre und einen Arbeitsort in der Region, in der sie zukünftig gern leben wollen.
    • Weniger wichtig: eine bestimmte Branche, Unternehmensgröße oder Internationalität des Unternehmens

    Bewerbungsverhalten

    • Beim Employer Branding sollten die Unternehmen die veränderten Erwartungen der Generation Y im Blick behalten. Das 24/7-Selbstverständnis beispielsweise vieler Kommunikationsmanager ist mit den Prioritäten und Lebensprinzipien des aktuellen Nachwuchses kaum vereinbar.
    • 53% würden sich initiativ bei ihrem Wunsch-Arbeitgeber bewerben.
    • Bei der Suche nach einer geeigneten Stelle haben die Homepages der potentiellen Unternehmen sowie Online-Jobvermittlungsportale die größte Bedeutung.
    • Stellenanzeigen im Social Web oder in Printmedien werden hingegen weniger bis kaum wahrgenommen.
    • Das durchschnittliche Wunsch-Einstiegsgehalt liegt bei ca. 3.200 Euro brutto pro Monat. Männer haben hier höhere Erwartungen als Frauen.

    Erwartungen an Berufseinstieg und Kariere

    Kriterien bei der ersten Arbeitsstelle

    • Am wichtigsten: Eigenständiges Arbeiten und Aufstiegsmöglichkei
      ten, aber auch intensive Anleitung.
    • Flexible Arbeitszeiten, keine (unbezahlten) Überstunden.
    • Unbefristete Arbeitsstelle und überdurchschnittliche Bezahlung eher
      nachrangig.

    Wesentliche Erwartungen an die Stelle nach 7 Jahren Berufstätigkeit

    • Am wichtigsten: Unbefristete Stelle und die Möglichkeit, sich
      weiterzuentwickeln.
    • Flexible Arbeitszeitmodelle und keine (unbezahlten) Überstunden.
    • Aber auch überdurchschnittliches Gehalt und Leitungsfunktion wichtig.
    • Erwartungen von Männern und Frauen: Teilzeitmodelle und flexible Arbeitszeiten sind Frauen wichtiger, Männer  wollen häufiger Personalverantwortung übernehmen/eine Leitungsfunktion
      inne haben und Prämien erhalten.

    Karriereverlauf: Deutliche Sprünge anvisiert

    • 63% möchte als Junior-Manager/in bzw. Referent/in direkt nach dem Masterabschluss in das Kommunikationsmanagement einsteigen.
    • Nach 3 Jahren: 68% wollen Projektleiter/in sein.
    • Nach 7 Jahren: 61% sehen sich als Senior-Manager/-in, 25% als Abteilungsleiter.
    • Männer sind deutlich ambitionierter als Frauen.

    Gehalt

    • Wunsch-Einstiegsgehalt bei durchschnittlich ca. 3200 Euro brutto pro Monat.

    Die Werte der Generation Y

    Tatsächlich sind die Werte, die gemeinhin für die Generation Y als wichtig beschrieben werden, auch für die befragten Masterstudierenden von hoher Bedeutung:

    • Ein zufriedenstellender Lebensstandard, ein Beruf, der Spaß macht und eine positive Arbeitsatmosphäre genießen die höchste Bedeutung.
    • Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ist für die Studierenden äußerst wichtig.
    • Die Generation Y möchte nicht zwischen Work-Life-Balance, Jobsicherheit, guter Bezahlung und Karriereoptionen wählen – sie möchte diese Aspekte vereinbaren.
    • Bezüglich der Arbeitsstelle ist den Studierenden mittelfristig eine unbefristete Anstellung am wichtigsten. Gleichzeitig sollte sie die Möglichkeit bieten, sich weiterzuentwickeln und auch eine Leitungsfunktion zu übernehmen.
    • Mit Blick auf das Unternehmen schätzen die zukünftigen Absolventen einen  fairen und kollegialen Umgang im Team. Auch ein offenes Klima und gute Unternehmenskultur sind ihnen wichtig.

    Methode

    • Insgesamt wurden 207 Studierende online befragt, die einen der aktuell 13 Vollzeit-Masterstudiengänge mit dem Schwerpunkt Public Relations/Kommunikationsmanagement in Deutschland belegen.
    • Bewertet wurden Aspekte wie Erwartungen an die zukünftige Tätigkeit und das Unternehmen, persönliche Karriereziele oder das Verhalten bei der Stellensuche.

    Wissenschaftlicher Hintergrund

    • Ursprünglich wurde Public Relations als Begabungsberuf und nicht durch eine spezifische Ausbildung erlernbar verstanden. Erst in den 1970er Jahren ist der Beginn einer Institutionalisierung der PR-Aus- und Weiterbildung zu verzeichnen.
    • Die Bologna-Reform trieb die Entwicklung der Professionalisierung der universitären Ausbildung stark voran. 2012 wurden insgesamt fünfzehn Vollzeit-PR-Studiengänge in Deutschland ermittelt.
    • Studien zu den Berufserwartungen von Kommunikationsmanagement-Studierenden wurden bislang vor allem in den USA durchgeführt.
    • Für Deutschland gibt es bisher nur eine Studie von Prof. Dr. Romy Fröhlich der Uni München, die sich mit dieser Thematik beschäftigt. Die Ergebnisse zeigten, dass die Befragten aus Deutschland mit einem Einstiegsgehalt von rund 2.200 Euro brutto im Monat und mit einer ersten Beförderung nach knapp dreieinhalb Jahren rechnen würden. Unternehmen waren deutlich der beliebteste Organisationstyp.