Agilität in der Kommunikation - Forschungsergebnisse aus 10 agilen Unternehmen

Mitarbeiter mitnehmen – das A und O einer agilen Transformation

Dr. Lisa Dühring, Universität Leipzig

Dr. Lisa Dühring begleitete im vergangenen Jahr zehn deutsche Großunternehmen, die eine agile Transformation vorantreiben und berichtete von ihrem Erfahrungsschatz, den sie während der Fallstudien gewonnen hat. Während ihres Vortrags zeigte sie Herausforderungen auf, vor denen die Kommunikationsabteilungen stehen und beleuchtete insbesondere auch die kritischen Facetten von Agilität.

Nach einer kurzen Einführung, was Agilität eigentlich bedeutet, standen zwei Themen im Fokus: Strukturen und Prozesse sowie das Mitarbeitermanagement. Wer denkt, Tools wie Scrum oder Kanban würden reichen, um eine Abteilung agiler zu machen, liegt falsch. Lisa Dühring betonte, dass der Knackpunkt bei den Mitarbeitern und der Unternehmenskultur liege.  Die Aufgabe der Kommunikationsabteilung ist es, den Wandel ins Unternehmen hineinzutragen. Denn neben der IT ist oft die Kommunikationsabteilung der Bereich, der mit dem Thema als Erstes in Berührung kommt.

Doch wie gelingt die agile Transformation einer Kommunikationsabteilung? Ein wesentlicher Hebel sind Strukturveränderungen beim Organigramm und die Abschaffung von Hierarchien. Während früher die Kommunikationsabteilung häufig nach Kanälen (z. B. interne, externe Kommunikation, Events, ...) organisiert wurde, gibt es heute den Trend zu agilen Organisationsprinzipien wie der Projekt- oder Poolorganisation, um Silos zu überwinden.

Doch bevor die Strukturen verändert werden, sollte sich die Kommunikationsabteilung klar machen, in welchen Bereichen Agilität für sie überhaupt Sinn macht. Content Management, konzernweite Großprojekte oder die Online-Kommunikation sind Themen, die sich anbieten. Gleichzeitig gibt es aber auch Themen, bei denen agile Strukturen und Prozesse keinen Sinn machen, wie z. B. bei M&A, Litigation-PR oder Risikokommunikation. Hier braucht es klare Prozesse und Verantwortlichkeiten. 

Die größte Herausforderung bei der agilen Transformation, so Lisa Dühring, ist das Mitarbeitermanagement. Nur wenn die Mitarbeiter mitgenommen und für den Wandel begeistert werden, können agile Prozesse und Strukturen funktionieren. Fundamental sind dabei ein neues Mindset und eine Veränderungsbereitschaft.

Die Mitarbeiter benötigen zudem andere Kompetenzen. Der Trend geht weg vom Spezialisten hin zum Generalisten, der aber zumindest auf einem Gebiet tieferes Wissen mitbringt - so genannte T-Shape-Qualifikationen.

Neben der Kompetenzentwicklung müssen in agilen Strukturen Karrieren neu gedacht werden.  Incentivierung sowie Feedback- und Leistungsbewertung müssen an die neuen Strukturen angepasst werden.

Lisa Dühring rät, sich mit diesen Herausforderungen bereits auseinanderzusetzen, bevor mit der agilen Transformation gestartet wird. „Am Ende ist es Trial-and-Error und Scheiten gehört dazu.“