Agilität - was bedeutet das für die Unternehmenskommunikation?

 

 

Agilität - was bedeutet das für die Unternehmenskommunikation?

Prof. Dr. Ansgar Zerfaß, Professor für Strategische Kommunikation, Universität Leipzig

Agilität ist ein Buzzword, das aktuell für viel Begeisterung aber auch Verunsicherung sorgt. Doch fast kein Unternehmen kommt an dieser Diskussion vorbei, den der Trend zu mehr Agilität wird durch mehrere interne und externe Faktoren getriggert. Dazu zählen beispielsweise der technologische Wandel mit der Digitalisierung, größere Konkurrenz in den Märkten durch neue Wettbewerber, veränderte Ansprüche der Gesellschaft, potentieller Mitarbeiter aber auch neue Anforderungen der Politik. „Um die Auswirkungen von Agilität auf die Unternehmenskommunikation besser zu verstehen, hat die Akademische Gesellschaft für Unternehmensführung & Kommunikation vor gut einem Jahr das Forschungsprojekt Die Unternehmenskommunikation in agilen Organisationen gestartet“, erklärt Ansgar Zerfaß.

Agilität verfolgt das Ziel, durch agile Strukturen und Prozesse, einer neuen Unternehmenskultur und einem veränderten Mind-set der Mitarbeiter sowie durch den Einsatz agiler Tools und Technologien, …

  1. Die Responsivität eines Unternehmens zu erhöhen – sprich die Fähigkeit, Veränderungen zu erkennen und schnell zu reagieren.
  2. Eine bessere Performance zu erzielen, das heißt effizienter und effektiver bei der Erreichung der Unternehmensziele zu werden. Dazu gehört auch ein stärkeres Netzwerk zwischen den Mitarbeitern - über Abteilungs- und Bereichsgrenzen hinweg, um die Teamproduktivität zu steigern.
  3. Die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit eines Unternehmens zu erhöhen, indem Strukturen und Prozesse angepasst werden und Ressourcen flexibler eingesetzt werden.
  4. Und die Geschwindigkeit zu erhöhen. Das Unternehmen muss die Reaktionszeiten verkürzen, z. B. um auf veränderte Marktbedingungen, Kundenbedürfnisse oder technologische Lebenszyklen zu reagieren.

Die größten Herausforderungen bei der Einführung von Agilität, so zeigen unabhängige Studien, sind die Unternehmenskultur, zu wenig Erfahrung im Umgang mit agilen Methoden, aber auch die Unterstützung des Managements. Dabei kann die Kommunikationsabteilung eine treibende Kraft im Transformationsprozess werden. „Die Kommunikation spielt eine dreifache Rolle: Sie muss den Wandel kommunizieren, sich selbst verändern und andere Abteilung bei der Transformation unterstützen“, so Zerfaß. Dies sei Herausforderung und Chance zugleich.


 

 

Die sechs Dimensionen von Agilität

Dr. Lisa Dühring, Projektleiterin des Forschungsprojekts "Die Unternehmenskommunikation in agilen Organisationen", Akademische Gesellschaft

Für Unternehmen wie für deren Kommunikationsabteilungen gilt: Agilität findet in sechs grundlegenden Dimensionen statt. Diese Aufgaben muss die Kommunikation angehen, um den Wandel nicht nur kommunikativ zu begleiten, sondern selbst aktiver Teil davon zu sein.

Agile Strukturen und Prozesse einführen

Agile Organisationen bauen Hierarchien ab und setzen stattdessen verstärkt auf vernetzte, selbstständig arbeitende Teams. Die Teams organisieren sich selbstständig, was Prozesse und Entscheidungen deutlich beschleunigt. Wie weit die Unternehmen bei der Umstrukturierung gehen, hängt vor verschiedenen Faktoren ab – bspw. der Unternehmens- und Abteilungsgröße oder der Unternehmensstrategie. Es gibt einige wenige Unternehmen, die radikale Veränderungen angestrebt und Abteilungen und Teams komplett aufgelöst haben – wie bspw. die Telekom. Doch die meisten Unternehmen experimentieren mit „Insel-Lösungen“, bei denen einzelne Projekte agil bearbeitet werden, oder warten erst einmal ab, erklärt Lisa Dühring.

Mitarbeiter motivieren und eine neue Unternehmenskultur schaffen.

Den Mitarbeitern kommt beim Thema Agilität eine Schlüsselrolle zu. Neue Strukturen und Prozesse müssen von Menschen mitgetragen und gestaltet werden. Agile Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern mehr Freiräume, die aber auch mehr Verantwortung und Selbstmanagement mit sich bringen. Auch Führungskräfte müssen umdenken. Agile Führung heißt, in die Rolle des Beraters und Coaches zu schlüpfen und Mitarbeiter zu befähigen, sich selbst zu führen. Dies geht häufig mit einem Kulturwandel einher – und zwar auf allen Ebenen. Wenn der Vorstand die Veränderungen nicht unterstützt und aktiv vorlebt, haben agile Initiativen langfristig wenig Aussicht auf Erfolg. Es braucht eine Kultur, die auf Austausch, Transparenz und Fehlertoleranz beruht. Neue Büroflächen und bunte Kreativräume können Ausdruck dieser neuen Kultur sein, sie dürfen sie aber nicht ersetzen.

Tools und Technologien für agiles Arbeiten

Positiver Nebeneffekt der digitalen Transformation: Unternehmen können sich zunehmend digitaler Technologien bedienen, die agiles Arbeiten unterstützen. Zudem gibt es eine Reihe agiler Methoden oder Tools wie Scrum, Kanban oder Design Thinking, die die neue Zusammenarbeit im Team transparent strukturieren. Die neue Art des Arbeitens kann aber auch schnell zu Problemen durch die gestiegene Komplexität führen und Projekte langsamer machen. Hier braucht es klaren Willen, Offenheit und Durchhaltevermögen.