Auswirkungen der digitalen Vernetzung auf die Unternehmenskommunikation

Was verändert sich durch die Digitalisierung?

Ihren Ausgangspunkt hat die zunehmende digitale Vernetzung im technologischen Fortschritt, so Prof. Dr. Dr. Thomas Schildhauer, Direktor des Humboldt-Institutes für Internet und Gesellschaft. Das Internet der Dinge, Augmented and Virtual Reality oder neue Digital and Mobile Devices verändern die Art und Weise, wie Menschen oder Maschinen untereinander oder Menschen mit Maschinen kommunizieren. Diese wiederum bewirken innerorganisationale Veränderungen in Unternehmen – die Zusammenarbeit über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen hinweg intensiviert sich, Innovationsprozesse werden geöffnet (Stichwort Open Innovation, Ideenlabore). Auswirkungen hat die digitale Vernetzung auch auf die Gestaltung des (mobilen) Arbeitsplatzes, auf die Work-Life-Balance oder das lebenslangen Lernen (von Push zu Pull). Individuell zugeschnittenes Lernen via Online-Angebote sowie Gamification-Ansätze versprechen im Zeitalter der Digitalisierung bessere Lernerfolge und werden beispielsweise von Ergo bereits angewandt. Auch die Nutzung von Robotic im Gesundheitswesen ist eine neue Entwicklung, die durch die Digitalisierung und Automatisierung ermöglicht wird.


Mobile Kommunikation

“Mobile is not just another channel!”, ist sich Prof. Dr. Stephan Böhm, Professor für Telekommunikation / Mobile Media an der Hochschule RheinMain, sicher. Bei der mobilen Kommunikation bedarf es einer anderen Herangehensweise und anderer Inhalte. Trotz zunehmender Bedeutung der mobilen Kommunikation ist „Mobile First“ vor allem als Strategie für Consumer- und Massenmärkte relevant.. Was aber auffällt: Überall auf der Welt schließt sich die Schere zwischen der Internetnutzung am Desktop und mobil via Smartphones oder Tablets, in einer Reihe von Ländern überwiegt die mobile Nutzung bereits – ein typische Leapfrog-Effekt. Zudem fragmentiert sich der Markt für „Mobile Devices“ zunehmend: Wearables, Smart Watches, VR-Brillen, etc. ergänzen das Smartphone und ermöglichen ein neues sinnliches Erleben. Für die Unternehmenskommunikation ist und bleiben laut Böhm insbesondere die crossmediale Mediaplanung und -controlling eine Herausforderung, aber auch die Koordination mobilen Angebote (Apps, etc).


Content Generating Internet Users – die neue Zielgruppe

Die Digitalisierung verändert die Unternehmenskommunikation von „inside-out“ zu „outside-in“, beobachtet Dr. Michael Schmidtke, Director Digital Communications bei Bosch. Zunehmend bestimmen externe Stakeholder – allen voran die CGI (Content Generating Internet Users bzw. Influencers) – die Themen der Kommunikation. Sie liefern Ideen und produzieren eigenständig Texte. CGI ist eine von sechs zentralen Stakeholder-Gruppen, welche die Reputation des Unternehmens Bosch prägen. Um diese Zielgruppe zu adressieren sind spezielle Formate erforderlich (Stichwort „Collaborative Communications“) – Bosch organisierte beispielsweise Hackathons. Gleichzeitig beobachtet Schmidtke, dass die Digitalisierung die Art und Weise des Storytellings verändern. In Anlehnung an Computerspiele setzt Bosch auf ein "Immersive Storytelling", in die Inhalte nicht mehr linear erzählt werden, sondern die User sich auf verschiedene Levels hocharbeiten können und durch Storyloops immer wieder zu zentralen Konversionspunkten zurückgeholt werden. Letztendlich wird die Digitalisierung die integrierte Kommunikation vorantreiben (Stichwort Content Factory, Newsrooms).