Klaus Hurrelmann: Generation Z - wie Zukunft

Erfolgsorientiert und leistungsbereit, aber auch sehr anspruchsvoll und sicherheitsliebend – so bringt es der Bildungsforscher Prof. Dr. Klaus Hurrelmann beim Hermes Dinner auf den Punkt, wie die heutige Jugend tickt. Er leitet seit 2000 die Shell-Jugendstudien. Bereits seit 1953 analysiert diese Forschungsreihe die Erwartungen und Vorstellungen der jungen Menschen zwischen 12 und 25 Jahren in Deutschland.

Die Jugend sind die prägendsten Jahre für die weitere Persönlichkeitsentwicklung, davon ist Hurrelmann überzeugt. Ob 68er, Babyboomer, Generation X, Y und nun Z – jede Kohorte hat ihre ganz typischen Charakteristika, Vorlieben und prägende Ereignisse.

Die Generation Y (geboren zwischen 1980-1995) war die Erste, die mit der digitalen Welt groß geworden ist. Sie wurde von den massiven Veränderungen in der Wirtschaft, der Bedrohung der Umwelt (Klimawandel, Fukushima) und durch politische Krisen geprägt und hat darauf mit Verunsicherung reagiert. „Ego-Taktiker“ nennt Hurrelmann diese Generation. Sie versuchen den externen Unwägbarkeiten zu begegnen, indem sie eine „enge strategische Allianz“ mit den Eltern schmieden und sehr viel in einen guten Bildungsabschluss investieren.  

 

Generation Z

Die Generation Z (geboren nach 1995) hat viele Ähnlichkeiten mit der Generation Y. Die Jugendlichen schauen jedoch wieder optimistischer in die Zukunft. Sie setzen auf Bildung und wollen Privates, Familie und Beruf ganz pragmatisch miteinander verbinden. Hurrelmann zählt sechs zentrale Charakteristika dieser Generation auf, auf die sich Unternehmen einstellen sollten:

(1) Gute Abschlüsse sind für die Jugendlichen das A und O – insbesondere um den Übergang von der Ausbildung in den Beruf gut zu meistern. Aufwand und Nutzen, um gute Noten zu erreichen, wird dabei ganz klar abgewogen. 55 Prozent haben mittlerweile Abitur.

(2) Gleichzeitig sind die leistungsschwächsten 20 Prozent der Jugendlichen – zumeist Männer – deutlich abgehängt und gelten als chancenlose, verlorene Gruppe.

(3) Nicht zu zeitig festlegen! Angesichts der riesigen Vielfalt an Berufen fühlen sich die Jugendliche überfordert und wollen sich alle Optionen so lange wie möglich offen halten. Daher steigt die Attraktivität eines Studiums, während das Interesse an Ausbildungsberufen schwindet.

(4) Die Eltern werden zum wichtigsten Karriereberater, zum engsten Freund, zum Vorbild. Sie begleiten ihre Kinder nicht mehr nur in der Schule, sondern neuerdings auch beim Studium.

(5) Sicherheit und Gestaltbarkeit sind die zwei wesentlichsten Motive für die Berufswahl. Unbefristete Verträge – ja. Beamtenstellen, die einengen könnten – nein!

(6) Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird sehr selbstbewusst vor allem von den jungen Frauen gefordert. Die Arbeit soll sich dem Lebensrhythmus unterordnen und nicht umgekehrt.

 

Junge Mitarbeiter erfolgreich führen

Nach dem intensiven Bemühen um die perfekte Bildungsbiographie zeigt sich die Generation Z – einmal im Arbeitsleben angekommen – eher karrierescheu, wenig ausdauernd und etwas selbstverliebt. Die jungen Mitarbeiter setzen nicht auf Macht, sie wollen inhaltlich gestalten und ihre eigenen Ideale verwirklichen. Ein gutes Arbeitsklima und flache Hierarchien zählen mehr als die „große Karriere“. Stattdessen fordern sie selbstbewusst spannende Aufgaben, eine gute Work-Life-Balance und Eigenverantwortlichkeit. „Wer junge Mitarbeiter gut führen möchte, der setzt auf Partizipation, fördert ihre Eigeninitiative und gibt sehr viel und sehr regelmäßig Feedback“, so Hurrelmann schmunzelnd.