Die richtigen Berater für eine agile Unternehmenskommunikation

Prof. Dr. Ulrike Röttger & Dr. Christian Wiencierz, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

 

Prof. Dr. Ulrike Röttger und Dr. Christian Wiencierz von der Universität Münster haben Einblicke in das Forschungsprojekt zur Rolle von Beratern und Dienstleistern bei der agilen Transformation gegeben. Die Ergebnisse basieren auf einer umfassenden Literaturrecherche, qualitativen Expertenbefragungen mit Kommunikationsberatern und PR- und Werbeagenturen sowie Fallstudien. Manche Dienstleister bieten Services an, um bestimme Aspekte von Agilität zu fördern, andere begleiten den gesamtheitlichen Transformationsprozess.

 

Welche Beratungen gibt es im Bereich Agilität?

Dienstleister lassen sich idealtypisch in Experten- und Prozessberatungen unterscheiden. In einer Expertenberatung sind Berater als Fach- und Agilitätsexperten zu verstehen, die Lösungswege entwickeln und in die Organisation ihrer Klienten tragen. Das heißt, der Input kommt vom Berater.
In der Prozessberatung helfen Berater ihren Klienten dabei, Stärken und Schwächen zu identifizieren und blinde Flecken zu erkennen. Die Klienten nehmen diese Erkenntnisse aus der Reflexion mit und entwickeln selbst Lösungen. Die Berater sind hier also mehr Coach. In der Praxis liegt die Wahrheit in der Mitte: zwischen der Hilfe durch Wissensvermittlung und Selbsthilfe.

 

Wie sieht ein Transformationsprozess hin zu mehr Agilität aus?

Der Transformationsprozess sieht vor, zunächst den 1) Agilitätsbedarf zu identifizieren. Warum möchte die Kommunikationsabteilung überhaupt agiler werden? Dafür ist es wichtig, dass die Klienten eine Vision haben oder diese gemeinsam mit dem Berater entwickeln. Denn Agilität ist kein Selbstzweck, sondern muss zielführend sein.

Zudem steht die 2) Situationsanalyse bevor: Wie agil ist das Unternehmen/ die Abteilung und wie agil sollen die Strukturen und Prozesse werden? Bei der 3) Strategieformulierung, 4) Umsetzung und 5) Evaluation gehen die Berater iterativ vor. Es sollte ein Ziel verfolgt werden, aber auch gleichzeitig Raum gelassen werden, um die Strategie noch anpassen zu können. Hierbei ist es wichtig, die Mitarbeiter mitzunehmen.

Ein zentrales Instrument dafür sind Workshops. Gemeinsam werden bspw. Leitlinien und Regelwerke entwickelt und reflektiert: Was hat funktioniert, was nicht, wo muss nachjustiert werden? Berater geben dabei Stoßrichtungen vor.

„Mitarbeiter sind keine Computer, die neu programmiert werden können. Man muss sie in der alten Welt abholen und Schritt für Schritt auf dem Weg zur Agilität mitnehmen“, erklärte Dr. Christian Wiencierz im Webinar.

 

Was sind die Erfolgsfaktoren für den Transformationsprozess und eine gute Beratung?

  • Mitarbeiter müssen im Mittelpunkt stehen und von Beginn an einbezogen werden
  • Klare Ziele verfolgen und Regelwerke bzw. Leitlinien aufstellen
  • Support von oben gewinnen: Führungskräfte müssen unterstützend wirken, Agilität selbst leben und Ressourcen bereitstellen.
  • Agilität als ständigen Lernprozess verstehen: Es muss immer wieder hinterfragt werden, ob die aktuellen Strukturen noch zur Organisationsumwelt passen.
  • Es braucht Durchhaltevermögen und Zeit, bis die positiven Effekte und Effizienzen sichtbar werden.

Mehr zu den Forschungsergebnissen können Sie bald in unserer im Mai erscheinenden Communication Insights lesen.