Strategisches Management von Reputation und Big Data

Strategisches Reputationsmanagement als Erfolgsfaktor 

Prof. Dr. Joachim Schwalbach, Humboldt-Universität Berlin
Dr. Christoph Zemelka, Leiter Corporate Communications, Brand Management und Sustainability, Bosch

Nahezu alle großen Unternehmen betreiben ein systematisches Reputationsmanagement oder planen es, denn Reputation spielt für Unternehmenserfolg eine nicht zu unterschätzende Rolle. Aus diesem Grund hat Joachim Schwalbach die zweite große Befragung von Vorständen und Kommunikationschefs zu diesem Thema gestartet (Erste Studie: CEO- und Unternehmensreputation). Ausgewählte Ergebnisse präsentierte er auf dem Leadership Forum. Dabei wurde deutlich, dass die Unternehmensreputation an Bedeutung gewinnt und fester Bestandteil der Unternehmensstrategie ist. Vorstände bewerten die Vorteile der Unternehmensreputation sogar noch höher als die Leiter der Unternehmenskommunikation. Dahingegen messen die Kommunikatoren den Reputationsrisiken eine höhere Brisanz bei als Vorstände. Auch wenn Kommunikationsleiter und Vorstände befragt werden, wie sie die Leistung der Kommunikation in punkto Reputation bewerten, werden Unterschiede deutlich.

 

Eine gute Unternehmensreputation steigert die Weiterempfehlung, erhöht den Marktanteil und die first choice Rate - ist sich Christoph Zemelka sicher. Deswegen ist es das gemeinsame Ziel von Corporate Marketing und Corporate Communications bei Bosch, die Reputation des Unternehmens zu verbessern. Dazu wurde ein eigenes Reputationsmodell entwickelt, mit dem die Reputation jährlich (in den A-Märkten) bzw. aller zwei Jahre (in B-Märkten) gemessen wird. Anhand des Vergleichs mit den besten Wettbewerbern werden dann Gegenmaßnahmen identifiziert, die Bosch’s Reputation weiter stärken sollen.


Von Big Data zur Digitalen Customer Journey

Prof. Dr. Ulrike Röttger, Universität Münster
Kerstin Pape, Leiterin Online-Marketing, Otto

Die Zukunft der Unternehmenskommunikation wird immer mehr von Daten geprägt und den Möglichkeiten der Automatisierung. Im Rahmen des Forschungsprogramms Value Creating Communication untersucht Ulrike Röttger die Potenziale von Big Data und Social Media Analytics. Bereits 35 Experten wurden dazu befragt. Ausgewählte Ergebnisse sind:

  • Big Data kann in allen Phasen der Kommunikationsplanung eingreifen. Es ermöglicht, mit mehr Zielgruppen in kürzerer Zeit zu kommunizieren und Kunden individuell anzusprechen.
  • Für eine sinnvolle Big Data Anwendung braucht es eine klare inhaltliche Fragestellung. Experten beobachten aber genau das Gegenteil.
  • Experten sehen insbesondere für die interne Kommunikation ein großes Potenzial für Big Data - z.B. um Kommunikationsangebote zu bestimmten Zeiten und zu bestimmten Themen zu vermitteln. Bislang wird es allerdings noch stiefmütterlich behandelt.
  • Alle Befragten waren sich einig, dass Kommunikation in Zukunft stark datengetrieben und automatisiert sein wird. Noch offen ist, wie weit die Automatisierung Einzug halten wird.

Doch einfach ist die Anwendung nicht. Sowohl seitens der Technik als auch hinsichtlich der Qualifikation der Mitarbeiter gibt es noch große Herausforderungen.

Viele dieser Hürden hat Otto bereits genommen. Das Unternehmen hat sich vom einem Katalogversender zum E-Commerce-Unternehmen gewandelt. 90% der Käufe werden mittlerweile über otto.de getätigt, 1,9 Millionen Visits verzeichnet die Website pro Tag. Kerstin Pape bespielt mit ihrem Online-Marketing-Team eine Vielzahl an Online- und Social-Media-Kanälen und hat eine riesige Big-Data-Plattform aufgesetzt. Hier werden Daten der Kunden in-house gesammelt und analysiert. Mittels eines eigenen Customer-Attributions-Modells werden Merkmalen wie Alter, Geschlecht und Preisaffinität ausgewertet. Daraus werden Kundensegmente gebildet, denen individuelle Inhalte / Produkte angezeigt werden. Auch für die Unternehmenskommunikation können diese Daten relevant, beispielsweise zur Identifikation brisanter Themen.