Cybersecurity: Cyberangriffe abwehren und Kommunikationsprozesse sichern

Warum Cybersecurity relevant ist und es auch bleiben wird

Immer mehr Cyberangriffe nehmen die Angestellten eines Unternehmens als „Schwachstelle“ ins Visier. Dazu zählen Ransomware-Angriffe (Erpressungssoftware), Spear-Phishing (gefälschte E-Mails, um sensible Daten zu entwenden) oder Deepfakes (manipulierte Inhalte). Unternehmen sind durch den pandemiebedingten Anstieg von Homeoffice für derartige Angriffe anfälliger geworden. Hinzu kommen Sicherheitslücken auf privaten Endgeräten oder nicht-genehmigte Software (Shadow-IT). Umso wichtiger ist, die Belegschaft zu sensibilisieren, zu schulen und Sicherheitslücken aufzudecken.

 


Anke Schmidt, Vice President Corporate Communications & Government Relations, Beiersdorf

 

 

“Wir gehen davon aus, dass Vorfälle von Cybersecurity eher die Normalität statt die Ausnahme darstellen werden. Das ist etwas, worauf sich ein Unternehmen vorbereiten sollte.”

Anke Schmidt, Vice President Corporate Communications & Government Relations, Beiersdorf 


Rolle des menschlichen Verhaltens bei dem Thema Cybersecurity

Trotz Fortschritten und steigendem Investment in technische Sicherheitskonzepte stellt der Faktor Mensch ein nicht unwesentliches Risiko im Bereich Cybersecurity dar. Folgende Faktoren können auf das menschliche Verhalten Einfluss nehmen:

  • Wahrgenommene Gefahren: Eine Person, die glaubt, dass das eigene Fehlverhalten zu negativen Konsequenzen führen kann, folgt eher den Sicherheitsrichtlinien.
     
  • Wahrgenommene Effizienz: Wenn eine Person den eigenen Fähigkeiten vertraut, folgt diese eher den Sicherheitsrichtlinien.
     
  • Intrinsische und Extrinsische Belohnungen: Personen folgen den Richtlinien seltener, wenn diese erwarten, dass sie mehr Arbeit schaffen und Zeit sparen.
     
  • Reaktionskosten: Personen folgenden den Richtlinien seltener, wenn das Befolgen Zeit und Aufwand benötigt.

 

Empfehlungen für Kommunikationsexpertinnen und Kommunikationsexperten

Wenn die Kommunikationsinfrastruktur ausfällt, kann eine Organisation schnell handlungsunfähig werden. In der heutigen globalen Kommunikationswelt stellt dies eine große Gefahr für Marken, deren Reputation und die Unternehmenskultur dar. Auch Datenlecks in Kommunikationsabteilungen können zur Gefahr werden, wenn interne Dokumente von der Konkurrenz oder den Medien falsch interpretiert werden. Folgende Empfehlungen können helfen, Kommunikationsabteilungen auf Cyberattacken vorzubereiten:

  • Schützen Sie die Kommunikationsinfrastruktur, damit Sie auch im Krisenfall weiterhin handlungsfähig bleiben. Dabei ist es wichtig, Backupsysteme zu etablieren und regelmäßig zu testen.
     
  • Machen Sie die Sicherheitsrichtlinien für die Belegschaft möglichst leicht zugänglich. Die Kommunikation dieser Richtlinien sollte deswegen ein wichtiger Bestandteil der internen Kommunikation sein.
     
  • Bedenken Sie bei der Krisenvorbereitung Cyberattacken und neue Gefahren wie z. B. Deepfakes bedenken. Regelmäßige Schulungen und Routinen können dabei helfen, Gefahren erst gar nicht entstehen zu lassen oder diese zu minimieren.

 

Weitere Themen: 

 

Zentrale Ergebnisse zu den 5 Trends

  • Language Awareness: Sprachliche Vielfalt wie z. B. Gendersensibilität wird zunehmend gesellschaftlich diskutiert. Dabei liegt der Schwerpunkt der Diskussionen häufig nicht beim eigentlichen Inhalt, sondern darauf wie etwas gesagt wird. Kommunikationsverantwortliche müssen sich von emotionalen Debatten lösen, um zu sensibilisieren und praktikable Lösungen zu finden.
     
  • Closed Communication: Die Corona-Pandemie hat einen Trend enorm beschleunigt: den Rückzug von Menschen ins Private. Das wird auch bei der Mediennutzung sichtbar: Nicht-öffentliche Messaging-Dienste wie Telegram, Signal oder Threema boomen. Für Kommunikatorinnen und Kommunikatoren wird es immer schwieriger, ihre Zielgruppen zu erreichen.
     
  • Gigification: Die Aufteilung von Projekten in kleine, unabhängige Jobs („Gigs“) funktioniert bei Unternehmen wie Uber, Lieferando, Fiverr und Co. Die Nachfrage wächst nicht mehr nur nach einfachen Dienstleistungen und Lieferservices, sondern zunehmend auch nach Kreativjobs oder anspruchsvollen Aufgaben. Inwieweit sich Gigs auch in der Unternehmenskommunikation durchsetzen können, sollte ausgelotet werden.
     
  • Synthetic Media ist schon lange kein Zukunftsszenario mehr. Die zugrundeliegende Technologie ist mittlerweile so ausgereift, dass der produzierte Content sehr realistisch erscheint. Für die Unternehmenskommunikation birgt dies Chancen, da z.B. mit Avataren das Kundenerlebnis verbessert werden kann. Gleichzeitig steigt aber auch die Gefahr, dass Inhalte manipuliert und für Cyberangriffe genutzt werden.
     
  • Cybersecurity: Die Anzahl und die Ausprägungen von Cyberangriffen steigen jährlich. Für Unternehmen stellen Cyberattacken eine ernstzunehmende Gefahr dar - von finanziellen Einbußen, über Reputationsschäden und Vertrauensverlust bis hin zu Handlungs- bzw. Kommunikationsunfähigkeit. Was kann die Unternehmenskommunikation tun, um das Unternehmen vor Cyberattacken zu schützen?

Methode

  1. Trendsuche: Im ersten Schritt wurden verschiedene Quellen aus den Bereichen Management, Technologie und Gesellschaft analysiert. Darunter fielen insbesondere Publikationen aus wissenschaftlichen Journals und Konferenzen, sowie ausgewählte Nachrichtenzeitungen (z.B. Economic Science and Technology), Magazine (z.B. Havard Busindess Review, Wired), Soziale News-Seiten (z.B. Reddit Science), Blogs und Websites (z.B. ReadWrite, The Next Web), Whitepaper und Trend Reports.
     
  2. Trend-Steckbriefe: Jeder potenzielle Trend wurde in einem Trend-Steckbrief systematisch dokumentiert. Die Steckbriefe halfen dabei, die Relevanz des Trends für die Unternehmenskommunikation und insbesondere für die Funktionen, Prozesse und das Management der Unternehmenskommunikation festzustellen. 
     
  3. Bewertung: Basierend auf den Kriterien der Trend-Steckbriefe wurde ein Bewertungs-Verfahren entwickelt, mit dem jeder der Trends bewertet wurde.
     
  4. Selektion: Das Forschungsteam diskutierte dann diese Trends in einem Workshop. Anschließend stimmte jedes Teammitglied einzeln für die Top-Trends in den Bereichen Management, Technologie und Gesellschaft ab.
     
  5. Reflexion: Daraus resultierten fünf Vorschläge, die mit Kommunikationsleiterinnen und Kommunikationsleitern in einem Online-Workshop im November 2021 diskutiert wurden. 
     
  6. Publikation: Die Analyse und Ergebnisse der finalen fünf Trends werden in unserer Publikation – dem Communications Trend Radar Report – ausführlich erläutert.

Das Forschungsteam

Der Communications Trend Radar 2022 wurde von einem Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Leipzig und der Universität Duisburg-Essen durchgeführt.

Von links nach rechts:

  • Prof. Dr. Stefan Stieglitz ist Professor für das Fachgebiet Digitale Kommunikation und Transformation an der Universität Duisburg-Essen. 
     
  • Daniel Ziegele, M.A., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Strategische Kommunikation der Universität Leipzig.
     
  • Sünje Clausen, M.Sc., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Digitale Kommunikation und Transformation an der Universität Duisburg-Essen.
     
  • Prof. Dr. Ansgar Zerfaß ist Professor für Strategische Kommunikation am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig.