Gigification: Kommunikationsaufgaben als Gigs ausgliedern

Gigs, Gigification und Gig Economy – Begriffserklärungen

Gigification beschreibt das Aufteilen von Projekten in kleine, unabhängige Jobs ("Gigs"). Diese werden über digitale Plattformen vermittelt, die Wissenschaft spricht auch von Gig- oder Plattform-Ökonomie. Gigs, können in zwei Arten unterschieden werden:

  1. Ausgeführt im realen Leben: Arbeitnehmende werden über Apps wie Uber oder Delivery Hero Jobs zugewiesen. Ihre Aufgabe ist dann z. B. Personen zu befördern oder Essen auszuliefern.
     
  2. Virtuell ausgeführt: Über crowd-basierte Plattformen können Einzelpersonen kleine Jobs wie das Ausfüllen von Umfragen (Amazon Mechanical) oder Programmieren (Kaggle) anbieten oder annehmen. Diese Jobs können unabhängig von Ort und Zeit erledigt werden.

 

Gigification in der Unternehmenskommunikation einsetzen

Wie können Unternehmen Aufgaben identifizieren, die in einen Gig umgewandelt werden können? Folgende Fragen können dabei helfen, festzustellen, ob eine Aufgabe leicht „gigifiziert“ - also ausgelagert - werden kann:

Map - Hintergrundbild

Kann die Aufgabe leicht strukturiert und objektiv bewertet werden? → Wenn ja, dann ist die Aufgabe in der Regel geeignet, als Gig durchgeführt zu werden. Wenn nicht, muss eine zweite Frage gestellt werden.

 

Können vor dem finalen Ergebnis, z. B. Präsentation eines Produktes, noch Verbesserungen vorgenommen werden? → Sind die Anforderungen nicht erfüllt, sollte die Aufgabe nicht ausgelagert werden. Lautet die Antwort ja, klärt eine dritte Frage die Situation.

 

Kann die Aufgabe orts- und zeitunabhängig erledigt werden? → Wenn ja, ist die Aufgabe reif für die Gigification. Wenn nicht, müssen Prozesse angepasst, die Aufgabe inhouse erledigt oder an eine Agentur ausgelagert werden.

 


 

 

 

 

„Das Konzept ist interessant, aber für viele Dienstleistungen wird ein Kontext, eine Beziehung und ein Verständnis benötigt, von dem wer wir sind und was wir wollen. Das ist eine Herausforderung, die auf Anbieterseite gelöst werden müsste, damit sich das Potenzial entfalten kann.“

Dr. Nina Schwab-Hautzinger, Senior Vice President Corporate Communications & Government Relations, BASF

 


 

Empfehlungen für Kommunikationsexpertinnen und Kommunikationsexperten:

1. Kennen Sie die Vorteile, Herausforderungen und Funktionen von Gigification.
Vorteile für die Kommunikationsabteilungen können sein:

  • Aufgaben flexibel verteilen z.B. wenn Teammitglieder auf Grund von Krankheit oder Urlaub ausfallen und keine Kapazitäten vorhanden sind.
     
  • Kosten und Zeit einsparen: Sowohl das Anbieter suchen und vergleichen, als auch die Pitchvorträge und der Koordinationsaufwand entfallen. Alles kann auf einer Gig-Plattform erledigt werden.
     
  • Talente finden: Ob Remote Work oder digitales Nomadentum – Gigs tragen dazu bei, die Nachfrage nach neuen Arbeitsmodellen zu befriedigen und so neue Talente anzuziehen.


2. Entwickeln Sie geeignete Use Cases und identifizieren Sie in Pilotprojekten Stärken und Schwächen für die eigene Abteilung. Drei grundlegende Szenarien sind dabei denkbar:

  • Testen Sie die Dienstleistungen von Gig-Plattformen: Fotos bearbeiten, Illustrationen erstellen, Interviews übersetzen. → Testen Sie, wie sich die Dienstleistungen im Vergleich zu traditionellen Dienstleistern und Eigenproduktionen in Bezug auf Qualität oder Zeit auswirken.
     
  • Gestalten Sie Ihre eigene Plattform für Gigworker: Solche Plattformen helfen dabei, gigifizierte Aufgaben und Projekte auszuschreiben, auf die sich Gigworker bewerben können. So erhalten Gigworker einen fairen Lohn und die Vermittlungsgebühren entfallen. 
     
  • Organisieren Sie Aufgaben intern als Gigs, fördern sie dadurch agile Strukturen: Auf einer internen Teamplattform können einzelne, nicht spezialisierte Aufgaben ausgeschrieben werden. Mitarbeitende können dann entscheiden, welche Aufgaben sie übernehmen und wann und wo sie diese erledigen.


3. Seien Sie sich der Kritik bewusst: Gigworker haben keine Rentenansprüche, genießen weniger Arbeitsplatzsicherheit und sind nicht Teil des Teams. Diese Nachteile können schnell zu einem Risiko für das Unternehmen werden, da die Gig-Economy öffentlich häufig für ihre unsicheren Arbeitsbedingungen kritisiert wird.

 

Weitere Themen: 

 

Zentrale Ergebnisse zu den 5 Trends

  • Language Awareness: Sprachliche Vielfalt wie z. B. Gendersensibilität wird zunehmend gesellschaftlich diskutiert. Dabei liegt der Schwerpunkt der Diskussionen häufig nicht beim eigentlichen Inhalt, sondern darauf wie etwas gesagt wird. Kommunikationsverantwortliche müssen sich von emotionalen Debatten lösen, um zu sensibilisieren und praktikable Lösungen zu finden.
     
  • Closed Communication: Die Corona-Pandemie hat einen Trend enorm beschleunigt: den Rückzug von Menschen ins Private. Das wird auch bei der Mediennutzung sichtbar: Nicht-öffentliche Messaging-Dienste wie Telegram, Signal oder Threema boomen. Für Kommunikatorinnen und Kommunikatoren wird es immer schwieriger, ihre Zielgruppen zu erreichen.
     
  • Gigification: Die Aufteilung von Projekten in kleine, unabhängige Jobs („Gigs“) funktioniert bei Unternehmen wie Uber, Lieferando, Fiverr und Co. Die Nachfrage wächst nicht mehr nur nach einfachen Dienstleistungen und Lieferservices, sondern zunehmend auch nach Kreativjobs oder anspruchsvollen Aufgaben. Inwieweit sich Gigs auch in der Unternehmenskommunikation durchsetzen können, sollte ausgelotet werden.
     
  • Synthetic Media ist schon lange kein Zukunftsszenario mehr. Die zugrundeliegende Technologie ist mittlerweile so ausgereift, dass der produzierte Content sehr realistisch erscheint. Für die Unternehmenskommunikation birgt dies Chancen, da z.B. mit Avataren das Kundenerlebnis verbessert werden kann. Gleichzeitig steigt aber auch die Gefahr, dass Inhalte manipuliert und für Cyberangriffe genutzt werden.
     
  • Cybersecurity: Die Anzahl und die Ausprägungen von Cyberangriffen steigen jährlich. Für Unternehmen stellen Cyberattacken eine ernstzunehmende Gefahr dar - von finanziellen Einbußen, über Reputationsschäden und Vertrauensverlust bis hin zu Handlungs- bzw. Kommunikationsunfähigkeit. Was kann die Unternehmenskommunikation tun, um das Unternehmen vor Cyberattacken zu schützen?

Methode

  1. Trendsuche: Im ersten Schritt wurden verschiedene Quellen aus den Bereichen Management, Technologie und Gesellschaft analysiert. Darunter fielen insbesondere Publikationen aus wissenschaftlichen Journals und Konferenzen, sowie ausgewählte Nachrichtenzeitungen (z.B. Economic Science and Technology), Magazine (z.B. Havard Busindess Review, Wired), Soziale News-Seiten (z.B. Reddit Science), Blogs und Websites (z.B. ReadWrite, The Next Web), Whitepaper und Trend Reports.
     
  2. Trend-Steckbriefe: Jeder potenzielle Trend wurde in einem Trend-Steckbrief systematisch dokumentiert. Die Steckbriefe halfen dabei, die Relevanz des Trends für die Unternehmenskommunikation und insbesondere für die Funktionen, Prozesse und das Management der Unternehmenskommunikation festzustellen. 
     
  3. Bewertung: Basierend auf den Kriterien der Trend-Steckbriefe wurde ein Bewertungs-Verfahren entwickelt, mit dem jeder der Trends bewertet wurde.
     
  4. Selektion: Das Forschungsteam diskutierte dann diese Trends in einem Workshop. Anschließend stimmte jedes Teammitglied einzeln für die Top-Trends in den Bereichen Management, Technologie und Gesellschaft ab.
     
  5. Reflexion: Daraus resultierten fünf Vorschläge, die mit Kommunikationsleiterinnen und Kommunikationsleitern in einem Online-Workshop im November 2021 diskutiert wurden. 
     
  6. Publikation: Die Analyse und Ergebnisse der finalen fünf Trends werden in unserer Publikation – dem Communications Trend Radar Report – ausführlich erläutert.

Das Forschungsteam

Der Communications Trend Radar 2022 wurde von einem Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Leipzig und der Universität Duisburg-Essen durchgeführt.

Von links nach rechts:

  • Prof. Dr. Stefan Stieglitz ist Professor für das Fachgebiet Digitale Kommunikation und Transformation an der Universität Duisburg-Essen. 
     
  • Daniel Ziegele, M.A., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Strategische Kommunikation der Universität Leipzig.
     
  • Sünje Clausen, M.Sc., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Digitale Kommunikation und Transformation an der Universität Duisburg-Essen.
     
  • Prof. Dr. Ansgar Zerfaß ist Professor für Strategische Kommunikation am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig.